— Meine Geschichte
Wie ich dahin kam,
wo ich heute bin.
Ich erzähle sie dir nicht, damit du sie schön findest. Ich erzähle sie dir, weil ich vermute, dass du dich in mindestens einem Moment davon wiedererkennst.
— Kapitel Eins
Mit 18 traf ich eine Entscheidung, die mein nächstes Jahrzehnt geformt hat. Ohne dass ich es wusste.
Nach dem Abi machte ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Nicht, weil ich von Finanzen begeistert war. Sondern weil meine Oma bei der Sparkasse gearbeitet hatte. Eine Tradition. Ein Bezug. Etwas Solides.
Danach kam, was kommen musste: BWL-Studium in Köln, Master in Mannheim, IT-Beratung bei der SAP. Jeder nächste Schritt war der logische auf dem Lebenslauf. Niemand stellte je die Frage, ob das alles wirklich zu mir passt. Auch ich nicht.
Ich war 19, als ich entschied. Mit 28 verstand ich, dass ich seit einem Jahrzehnt einem Pfad folgte, den ich nie gewählt hatte.
— Kapitel Zwei
Beförderungen kamen schnell. Erfüllung nicht.
Ich war gut. Die Beförderungen ließen nicht lange auf sich warten. Ich flog Business Class nach Valencia, machte meinen Job, ging nach Feierabend an den Strand. Von außen sah es aus wie ein Traum.
Aber donnerstags, wenn ich nach Hause kam, schaute ich Netflix-Serien, die ich schon kannte. Weil mein Gehirn nichts Neues mehr verarbeiten konnte. Ich war nicht erschöpft im Sinne von zu viel Arbeit. Ich war erschöpft davon, immer jemand zu sein, die ich gar nicht war.
Es kam der Tag, an dem ich auf einer Kundentoilette saß, in mehreren Räumen Entfernung vom Workshop, und einfach weinte. Eine Kollegin kam rein. Sah meine verheulten Augen. Legte den Arm um mich und sagte: „Ich habe letzte Woche im Auto geweint."
Im ersten Moment dachte ich: gut, das ist normal. Im zweiten kam der Gedanke, der alles veränderte: „Ich will nicht, dass das mein Normal wird."
— Kapitel Drei
Ich wollte etwas ändern. Aber ich konnte nicht alles riskieren.
Ich hatte mir einen Lebensstil aufgebaut. Wohnung. Reisen. Sicherheit. Alles hinwerfen und von Null anfangen — das war keine Option. Und gleichzeitig spürte ich jeden Sonntag dieses Ziehen im Bauch. Diesen Kloß im Hals am Montagmorgen.
Ich entschied, mich coachen zu lassen. Eine kleine Übung in dieser Begleitung — ein Stärkentest — wurde zum Wendepunkt. Plötzlich hatte das, was ich jahrelang gespürt hatte, einen Namen. Ich war jahrelang am falschen Ort gewesen. Nicht in der falschen Firma. Nicht in der falschen Branche. In der falschen Rolle.
Ich wechselte intern. Von der Beratung in den Sales. Gleiche Firma, gleiche Kollegen, gleicher Lebensstil. Aber zum ersten Mal seit Jahren saß ich in Meetings und dachte: hier gehöre ich hin.
Ich musste nicht alles riskieren, um etwas zu verändern. Ich musste nur ehrlich hinhören, was wirklich nicht passte.